ZDENĚK SÝKORA

ZDENĚK SÝKORA
System und Kraft der Linie

Vom 30. August 2015 bis zum 14. Februar 2016 zeigt das Emil Schumacher Museum im Kunstquartier Hagen mit Zdeněk Sýkora – System und Kraft der Linie erstmalig seit vielen Jahren eine große Ausstellung eines der bedeutendsten tschechischen Malers seiner Generation in Deutschland. Die Ausstellung präsentiert zahlreiche selten und teilweise bisher noch nicht öffentlich gezeigte Leihgaben aus Privatbesitz, aber auch aus Sammlungen wie dem Musée national d’art moderne (MNAM) im Centre Georges Pompidou, Paris, oder dem Museum Karlsbad.

Der tschechische documenta-Teilnehmer Zdeněk Sýkora (1920-2011) gehört seit den 1960er-Jahren zu den Pionieren der internationalen Computerkunst. Die in der Ausstellung präsentierten konstruktivabstrakten „Linienbilder“ entstanden ab 1973 und erlangten in kurzer Zeit international große Anerkennung. Die Ausstellung Sýkoras im Emil Schumacher Museum konfrontiert die auf einem eigens entwickelten Entwurfssystem beruhende konstruktive Abstraktion Sýkoras mit der gestischen Abstraktion Schumachers. Formal gegensätzlich stehen beide Maler einander künstlerisch überraschend nahe.

Die Abstraktion entstand als eigenständige künstlerische Ausdrucksform bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Abstraktion der Moderne, deren Tradition trotz ihrer Unterdrückung durch den nationalsozialistischen Terror freilich nie ganz abgebrochen war, nicht nur wieder neu aufgenommen, sondern war, als neue „Weltsprache der Kunst“, bis in die 1960er-Jahre bestimmend.
Im Osten wie im Westen wurden die Entwicklungen des Konstruktivismus oder der Konkreten Kunst – etwa von Kasimir Malewitsch (1879-1935) oder Josef Albers (1888-1976) – aufgegriffen und von diesen selbst oder von jüngeren Künstlern wie Max Bill (1908-1994) eigenständig weitergeführt. Insbesondere im Westen setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg aber mit der gestisch-expressiven neben der konstruktiven (geometrischen) noch eine weitere Form von Abstraktion durch, zu deren Hauptvertretern von Anfang an Emil Schumacher zählte.

Der konstruktiv arbeitende Zdeněk Sýkora (1920-2011) und der gestisch-expressive Emil Schumacher (1912-1999) zählen zu den internationalen Vertretern dieser gegensätzlichen Pole der Abstraktion in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts. Die Ausstellung Sýkoras im Emil Schumacher Museum konfrontiert die unterschiedlichen Positionen dieser Künstler miteinander. Dem technisch-formalen Unterschied beider Stilrichtungen steht eine nicht erwartete künstlerische Nähe Sýkoras und Schumachers gegenüber.
Im OEuvre beider Maler spielt der Zufall eine entscheidende Rolle und bestimmt den Verlauf der Linien, allerdings auf ganz unterschiedliche Weise – dem mathematisch präzisen System des einen steht die spontane Geste des anderen gegenüber. Gerade der Gegensatz von scheinbar gestisch gezogenen Linien im Werk des konstruktiv kalkuliert schaffenden im Vergleich mit den expressiven Lineamenten des spontan und frei arbeitenden Malers ist dabei von besonderem Reiz.
Den Charakter einer Einzelausstellung Zdeněk Sýkoras aufrechterhaltend, sind gezielt Werke Emil Schumachers in die Ausstellung integriert. Diese klassische Methode vergleichenden Sehens und Wahrnehmens gegensätzlicher Positionen macht die Vielfalt der Möglichkeiten der Abstraktion erfahrbar.

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